Ernst Nodes

* 1944  

  • Ich bin 1964 das erste Mal in die alte Heimat, in die Ortschaft gekommen, mit zusammen mit meinen Eltern. Und da war da in der Ortschaft ein großer Kolchosestall gebaut und bei allen Bauernhöfen war überall das Stall- und Scheunengebäude abgerissen. Also die Leute konnten da nur noch wohnen, aber selber konnten die keine Landwirtschaft mehr betreiben. Die waren also alle in der Kolchose beschäftigt. Und das waren alles neu Angekommene? Ja. Die waren also überhaupt nicht aus der Gegend, wir haben damals mit einigen gesprochen und gefragt und die meisten kamen damals aus der Slowakei. Und wurden da quasi angesiedelt. Und es war halt, was man auch mitbekommen hat, das war auch schwierig für die Leute, da haben alle über die Landwirtschaft überhaupt keine Ahnung und mussten da aber arbeiten. Und da waren also die Ergebnisse sehr, sehr schlecht, das hat man auch mit eigenen Augen gesehen hat.

  • In unserem Heimatsdorf, da steht in der Ortsmitte eine kleine Kapelle, die ist so etwa drei oder vier Meter groß. Da ist ein kleiner Glockenturm drauf und die Kapelle sieht natürlich auch entsprechend aus. Ich habe, und schon auch vor mir welche, den Anlauf genommen, dass man die Kapelle eventuell doch wieder renoviert. Ich habe da auch mit Bürgermeister von Horitz Verbindung gehabt und er stand der Sache aufgeschlossen gegenüber, er hat sich bemüht und hat Antrage gestellt. Vor zwei oder drei Monaten habe ich die Nachricht bekommen, dass die Renovierung genehmigt ist und die Arbeiten haben jetzt vor ein paar Wochen begonnen, die Kapelle wird also wieder gerichtet. Der Wunsch von dem Bürgermeister war auch, weil ursprünglich im Glockenturm eine kleine Glocke drinnen war, hat er gemeint, es wäre schon, wenn da vielleicht wieder eine Glocke reinkommen wurde. Und da habe ich eben dann gesagt, ich werde mich da bemühen und werde schauen, dass ich da eine Glocke zusammenbringe. Und so, wie es im Moment ausschaut, klappt es auch.

  • Also der ganze Transport, von der Vertreibung vom Heimatort bis zur Ankunft in unseren späteren Wohnort, das hat genau zwei Monate gedauert. Zwei Monate war man so unterwegs, davon aber die meiste Zeit im Viehwagon.

  • Und meine Mutter hat immer wieder mal gesagt, als wir in dem letzten Lager, wo wir waren, in Backnen, da war also mein Gesundheitszustand so schlecht, also wenn wir da nicht bald weggekommen wären, hat sie immer gesagt, hätte ich das nicht überlebt. Also sie hat dann schon mit dem Schlimmsten gerechnet.

  • Meine Mutter hat also da schon viel erzählt. Die Lager, das war halt, sag mal, nach heutigem Stand, kann man fast sagen, hat es also nicht der menschlichen Würde entsprochen. Die Verpflegung war natürlich auch sehr spärlich und nicht besonders. Und dann hat sie halt auch immer erzählt, aber das war auch in anderen Lagern so, dass es dann halt Ungeziefer gab, Läuse, Wanzen und alle die Dinge, die halt dann auch noch, sagen wir, für Plage gesorgt haben.

  • Celé nahrávky
  • 1

    Neukirchen, Německo, 31.08.2019

    (audio)
    délka: 54:01
    nahrávka pořízena v rámci projektu Das vertriebene Gedächtnis des Böhmerwaldes
Celé nahrávky jsou k dispozici pouze pro přihlášené uživatele.

Fur mein Geburtsdorf werde ich eine Glocke besorgen

Ernst Nodes, Neukirchen 2019
Ernst Nodes, Neukirchen 2019
zdroj: Natáčení

Ernst Nodes wurde am 31. Juli 1944 in Schöbersdorf (Šebanov), in der Gemeinde Höritz (Hořice na Šumavě), im Kreis Krumau (Český Krumlov) geboren. Der Vater Franz und die Mutter Maria (geb. Stöffel) waren beide aus Schöbersdorf. Im Juli 1946 wurde die ganze Familie (Mutter, die Großeltern beider Seiten, Onkel und Tante) vertrieben. Die Vertreibung dauerte zwei Monate, die die Familie zusammen in Viehwaggons verbrachte. Der kleine Ernst überlebte den letzten Zwischenhalt fast nicht. Die Familie wurde in Obersteinbach bei Heilbronn untergebracht, wohin der Vater nachkam, nach drei Jahren Kriegsgefangenschaft. Ernst Nodes durchlief hier die Grundschule und seine Lehre. Später zog er 15km weiter, wo er eine Familie gründete und bis heute lebt. Sein ganzes Leben arbeitete er in der Automobilindustrie und ist in Landsmannschaften aktiv. Er setzt sich unter anderem für die Erneuerung der Kapelle in seiner Herkunftsgemeinde ein.