Hermann Frey

* 1929  †︎ 2023

  • "Ja, man musste seinerzeit das große D, nein nicht D, große N (nemecky) tragen. Wir hatten das in den Verkehrsmitteln nicht getragen. Da kӧnnten wir uns kaum auf den Sessel hinsetzen kӧnnen. Also wir sind mit dem Schulfreund, der konnte ein Paar Worte tschechisch, abgemacht, am besten wir sprechen überhaupt nicht. Wir sprechen nur mit den Augen. Ja also gut. Wir haben es geschafft bis nach Prag und wir sind dann von Prag umgestiegen nach Domažlice. Wir sind also zu der Verbindung Domažlice gegangen und mitten auf der Treppe, wo man rauf geht, platzte mein Koffer auf. Und ich sehe, wie mein Schulfreund Luft holt. Ich konnte etwas Tschechisch, aber es waren Schimpfwӧrter, die lernt man zuerst. Und Russisch konnte ich meinen Namen aufschreiben. Jedenfalls hat mich mein Schulkollege angeschaut und hat gewusst, dass ich weine. Wir haben uns gegenseitig beschimpft, haben eingepackt, uns raufgesetzt in von uns gewählten Zug und tschechische Vorgäste, die auch umsteigen wollten, haben sich amüsiert. Die haben gewusst, das wir Deutsche sind."

  • "Wir sind früh aufgestanden. Es hat geheissen: „Vstavaj!“, das habe ich mir noch gemerkt, dann ist gearbeitet worden, dann hat man um sieben, halb acht, acht, so einen Kaffee gekriegt, also was sich Kaffee nennt. Ja bitte, es ist Krieg. Wir haben natürlich, wer konnte, gearbeitet. Wer nicht mehr arbeiten konnte, hatte Patschen. Und dazu sind viele da gestorben. Und jedenfalls ich mit meinem Kollegen sind stiften gegangen. Vier, fünf Wochen vorher sind sechs Kollegen stiften gegangen. Die haben einen Fehler gemacht. Die sind beisammen geblieben. In einer Gruppe wird man wesentlich schneller gefunden. Sie haben sie gefunden. Soll ich Ihnen noch sagen, was passiert ist mit ihnen? Die mussten eine Grube, 1m 60 tief und lang machen. Wenn die fertig war, mussten zwei Gruppen, drei Gruppen kommen. Eine Gruppe, die waren wir, antreten, so in ein Kreis, die zweite Gruppe waren eine Wache und die dritte Gruppe war Exekutivkommando. Und jetzt wissen sie, was passiert ist."

  • "In Prag, das war, mӧchte ich sagen, ein Häuserkampf. Da hat keiner gewusst, wer schießt auf wenn. Das hat auch viele Menschen gekostet. Man wusste nicht, wer da drinnen sich befindet. Wir konnten dann aus Prag nicht flüchten, wir konnten nicht raus aus Prag. Wir sind also dann in die russische Gefangenschaft gekommen. Und in einer Kolone mit ungefähr 2000 Mann sind wir bis nach Gräz, in die Adolf Hitler Kasserne, gekommen."

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    Pegnitz, SRN, 14.07.2020

    (audio)
    délka: 01:31:28
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Mit sechzehn Jahren wurde ich zur Wehrmacht einberufen

Hermann Frey, Pegnitz, 2020
Hermann Frey, Pegnitz, 2020
zdroj: Post Bellum

Herrmann Frey wurde am 19. Februar 1929 in der Gemeinde Kamitz, Kreis Neutitschein (Kamenka, Nový Jičín) geboren und wuchs in Alt Zechsdorf (Staré Těchanovice) bei Troppau (Opava) auf. Der Vater war Schlachter. Die Einwohner von Alt Zechsdorf waren fast ausschließlich deutsch und Herrmann lernte kein Tschechisch. Mit zehn Jahren ging er zur Motor-Hitlerjugend. Im Februar 1945, nach Vollendung des 16. Lebensjahres, wurde er zur Wehrmacht einberufen. Er wurde im Kampf in Polen eingesetzt und später nach Prag abkommandiert, wo der Widerstand ausbrach. Dort wurde er von der Roten Armee gefangen genommen und lief mit etwa zweitausend weiteren Gefangenen in einem Fußmarsch nach Königgrätz (Hradec Králové). Als Kriegsgefangener wurde er im Arbeitsdienst im polnischen Opole eingesetzt, wo sie die örtliche Fabrik zur Überführung in die SSSR demontierten. Mit einem Freund flüchteten sie von dort und waren ausschließlich nachts in ihre Heimat unterwegs. In Troppau (Opava) erwischte sie eine Streife und sie verbrachten vier Wochen in einem Arbeitslager. Kurz nach der Entlassung entschied sich Herrmann auf eigene Faust nach Deutschland auszureisen und fand seine neue Heimat zunächst in Berchtesgaden, später in Bamberg. Er machte eine Bäckerlehre, arbeitete aber den Großteil seines Lebens als Fahrer und Autoreparateur. Er heiratete 1952 und hat zwei Töchter. Er starb am 9. Dezember 2023.