Sie fuhr im Sommerkleid und nur mit einer Handtasche nach West-Berlin und kehrte nie zurück.
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Sieglinde Birke wurde am 7. Juli 1934 in Teplice nad Metují (Wekelsdorf) als zweitälteste von fünf Kindern geboren. Ihr Vater Stefan Branse arbeitete bei der Eisenbahn und ihre Mutter Gisela Branse war Hausfrau. Ihr Vater wurde 1939 zur deutschen Armee eingezogen, wo er als Dolmetscher für Ungarisch tätig war. Der Onkel ihrer Mutter, Heinrich Purmann, besaß eine Schuhfabrik und war von 1919 bis 1932 Bürgermeister der Gemeinde. Sie erlebte Ende Mai 1945 die wilde Vertreibung. Drei Tage und Nächte verbrachte sie in einem Kohlewaggon an der tschechoslowakisch-polnischen Grenze, bevor die Polen sie zurückschickten. Im Juli 1946 mussten sie sich in einem Lager in Meziměstí (Halbstadt) melden und wurden in Viehwaggons in die damalige Ostzone Deutschlands deportiert. Dort besuchte sie die Grundschule und absolvierte eine Ausbildung zur Lebensmittelverkäuferin. 1953 fuhr sie mit der Straßenbahn in den westlichen Teil Berlins und gelangte über mehrere Flüchtlingslager zu ihrem Onkel nach Solingen in Westdeutschland, wo sie als Verkäuferin arbeitete. Später emigrierte auch der Rest ihrer Familie nach. 1959 heiratete sie den Sudetendeutschen Gerhard Birke und bekam nach und nach die Söhne Odo und Reiner. Sie reiste mit ihrem Mann um die Welt und fuhr oft nach Teplice nad Metují. Im Jahr 2025 lebte sie in Hüttenberg.