Následující text není historickou studií. Jedná se o převyprávění pamětníkových životních osudů na základě jeho vzpomínek zaznamenaných v rozhovoru. Vyprávění zpracovali externí spolupracovníci Paměti národa.

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Georg Schiedeck (* 1945  )

Mit der Heimat verloren - aber unvergessen

  • er wurde am 24.4.1945 in Waldeck (heute Zálesí u Javorníka) geboren, in Ostschlesien
  • sein älterer Bruder ist kurz nach seiner Geburt gestorben und in Waldeck begraben worden
  • im September 1946 wurde die ganze Familie nach Bayern in Deutschland ausgesiedelt
  • nach dem Studium und der Bundeswehr wurde er mit eigener Firma, wo er auch Mitarbeiter aus Osteuropa beschäftigte, selbstständig
  • nach dem Tod des Vaters 1969 begann er mit seiner Familie in in seine alte Heimat, die Tschechoslowakei zu fahren
  • mit 55 Jahren intensivierte er seine Heimfahrten, organisiert auch für andere Busreisen in das Jauerniger Land, sehr wichtig ist ihm dabei die junge Generation
  • er nahm an der Entstehung des Buches Verschwundenes Sudetenland vom Verlag Antikomplex teil
  • 2016 organisierte er mit seinem Förderkreis Alte Heimat - neue Freunde die offizielle Reise der Bürgermeister der Mikroregion Javornicko nach Regensburg und Wörth an der Donau

Kindheit in Schlesien und Aussiedlung

Georg Schiedeck wurde am 24.4.1945 geboren, in einem kleinem Dorf namens Waldeck (heute Zálesí), nicht weit entfernt von Jauernig in Ostschlesien. Eine Woche nach seiner Geburt war der Weltkrieg vorbei. „Und vier Wochen nach meiner Geburt fand mein älterer Bruder mit anderen Kindern die Munition von den Soldaten, welche sie weggeschmissen haben während sie durchs Jauerniger Land heimgeflüchtet sind. Fünf Wochen später ist er gestorben“, illustriert er die schwierige Zeit am Ende des Krieges.

Bald danach, im September 1946 wurde seine Familie, so wie viele andere deutschen Bewohner aus Waldeck und dem Jauerniger Land nach Niklasdorf (heute Mikulovice), wo sie in MUNA, dem Munitionslager, wo Hitler während des Krieges unterirdisch Munition produziert hatte, konzentriert und dort zur Abfahrt in Viehwaggons vorbereitet. „Die Reise ging dann am Altvater vorbei nach Prag, weiter nach Pilsen und über Domažlice nach Furth im Wald. In Furth im Wald wurden wir von den Amerikanern übernommen und die Personen im Zug wurden mit Staub entlaust und wir mussten in die Lager weiterfahren. Die ganze Stadt war übefüllt, die Holzbaraken waren von den geflohenen Leuten schon überbelegt. Dann fuhren wir weiter nach Regensburg, aus Regensburg ging die Strecke nach Stadt am Hof, da fuhren wir mit einem kleinen Zugwaggon nach Wörth an der Donau. Von Wörth an der Donau wurden wir von Bauern abgeholt,und fuhren aus Obermittbach mit einem Traktor oder mit Pferde-/Kuhfuhrwerken weiter. Da kamen wir in die letzte, sehr vernachlässigte Gegen der Oberpfalz, wo die Straßen noch unbefestigt waren.“ während der ganzen Reise fuhr auch die Hungersnot mit, die Leute hatten sehr viel Angst, aber manche noch Hoffnungen, dass sie irgendwann noch zurück kommen und ihre Heimat wieder sehen werden. Die Reise von Familie Schiedeck endete in einem kleinen Gehöfe. Als eine Familie mit sieben Kindern, also insgesamt neun Personen, wurde ihnen der kleinste Hof zugeteilt. „Die Bäuerin und der Bauer,hatten keine Kinder. Sie hatten eine Kuh und ein Schwein. In dem Haus hatten wir ein Zimmer im Erdgeschoss und ein kleines Zimmer im Obergeschoss. In dem Schlafzimmer nagelte der Vater mit Holz die Bette zusammen, so dass zwei Bette übereinander waren.“

Die Aufnahme von älteren Leuten in der Gegend geschah eher widerwillig. Für Kinder war es ein bisschen leichter als für die Erwachsenen. Sie besuchten die Schule und schrieben sehr gute Noten. Nach der Grundschule machte Georg Schiedeck in Straubing seine Lehre in der Firma Messerschmitt, Schweiß- und Dreh- und Fräsarbeiten. Dann kam das erste Praktikum bei einer anderen Firma im Fach. Nach der Bundeswehr in Nürnberg arbeitete er als Hydraulik-Mechaniker. Später machte er sich mit eigener Heizungs-Sanitär-Firma in Obermittnach selbstständig.

Erinnerungen und erste Reisen zurück nach Schlesien

In seiner Kindheit wurde über die Vertreibung seiner Familie sehr wenig gesprochen. „Ich saß auf der Diele, auf dem Fussboden und da war der alte Herr vom Waldecker Land und mein Vater. Sie haben sich im Wohnzimmer unterhalten, ob sie wieder in die alte Heimat zurückkommen. Mein Vater war Maurer und hatte von Anfang an Beschäftigung in der Gegend, wo wir angekommen sind. Als Handwerker hatte er viele Aufträge und 1952 hatte er schon begonnen, das Familienhaus zu bauen. 1953 konnten wir schon einziehen.“ So beschreibt er seine stärkste Erinnerung, die er als kleines Kind im Kopf behielt. Genauso erfolgreich im Berufsleben waren dann später auch die älteren Kinder. Es gab also mindestens ökonomisch gesehen keinen Bedarf, die Gedanken an die Rückkehr zu intensivieren.

Die erste Reise der Mutter und der ältesten Kinder nach Waldeck fand im Jahre 1970 statt, ein Jahr nach dem Tod des Vaters. „Da haben wir viele Bekannte getroffen in dem Kreis. Man brauchte damals Visum und es gab Kontrollen, das haben wir alles durchgemacht.“ In den Jahren 1972, 1976, 1980 fanden noch weitere Reisen in die Tschechoslowakei statt.

Die dritte Etape seines Lebens – Interesse an eigener Vergangenheit

Seine Firma prosperierte sehr gut, in seiner Arbeitszeit war er vor allem mit seiner Firma beschäftigt. Ab und zu fuhr er zwar mit den Bekannten nach Javorník, aber es war immer eher ein kurzer Ausflug, nur wenig hat er damals nachgeforscht. Erst mit 55 Jahren begann er sich um ein Denkmal zu kümmern, das sein Vater mit dem Maurer Kaps von Waldeck in Pondorf errichtet und den Vetriebenen gewidmet haben. Damals begann er sich näher um die Vergangenheit interessieren. Manchmal organisierte er auch Treffen in Pondorf mit den Leuten aus Schlesien mit Vorträgen über die Problematik. In seinem Kopf entstand sogar die Idee eines Buchprojektes über die Aussiedlung, die Ausreise und die Übernahme in Obermittnach. Er begann auch die gewöhnliche politische Stellung zu diesen Themen zu kritisiert und zum 70. Gedenken an die Aussiedlung gab er seine Mitgliedschaft bei der sudetendeuschen Landsmannschaft wegen ihrer Rhetorik auf. „Ich habe mich damals viel mehr damit beschäftigt, was in der Stadt Javorník ist und dann habe ich die Stadt Javorník eingeladen, willkommen gehießen nach Regensburg und Wörth an der Donau“. Er selbst distanziert sich von der Bennennung Sudetendeutschland. Für ihn ist das ein Begriff, den Hitler mit der Besetzung eingeführt hat und nach Kriegsende ist er wieder verschwunden. „Wir sind Sudetenschlesier und in unserer Nähe ist das Sudetengebirge. An der deutschen Grenze hieß es vor 1938 nie Sudetendeutsch oder Sudetendeusche Landsmannschaft oder etwas ähnliches in dieser Richtung“.

Seit 5 Jahren beschäftigt er sich mit Busreisen nach Schlesien. Am Anfang nahm er an großen Busreisen teil, aber er war innerlich nicht begeistern von den anderen Mitgliedern der Reise. An solchen Reisen entstand meist mehr Feindschaft als Freundschaft. Daran wollte er in keinem Fall mitmachen. Deshalb begann er seine eigenen privaten Busreisen organisieren.

Intensivierung der Kontakte und deutsch-tschechischen Beziehungen

Die Kontakte wurden nach 1990 persönlicher, in der kommunistischen Zeit war das machmal problematisch, weil wir uns nicht immer als Deutsche darstellen konnten. Aber auch dann gab es immer noch Probleme. „2005 hatten wir ein Fest, wo man Helene Hackenberg zur Ehrenbürgerin von Waldeck ernannte. In dem städtischem Taverne-Restaurant waren wir 20 Personen, es war eine schöne Feier und wir saßen alle zusammen.“ Als sie aber laut auf deutsch singen wollten, wurde es ihnen untersagt. Es war jedoch eher eine Ausnahme. Seitdem ist er immer öfters ins Jauerniger Land gefahren. Nach der Wende 1989 kamen zu seiner Firma auch Arbeiter aus Osteuropa. Das waren für ihn auch sehr schöne Kontakte zu östlichen Ländern, z.B. zur Slowakei, die er jetzt oft besucht.

Er fährt meistens mit dem Zug, so kann er die persönlichen Kontakte besser und intensiver anknüpfen. Auf diese Weise hat er Kontakte zu Personen, die Germanistik studiert haben gemacht. Ebenfalls fand er so Kontakt zu dem Verlag Antikomplex, mit dem er an dem Buch Verschwundenes Sudetenland zusammenarbeitete. Er orientiert sich nicht an dem Sudetenland, dem von Hitler stammenden Begriff, sondern an die jetzige Situation, die neuen Beziehungen und die Zukunft, an die neuere Generation. In Muna hat er die Menschen kennengelernt, die daran arbeiten, die Muna-Vergangenheit der tschechischen Öffentlichkeit vorzustellen.

Im Oktober 2016, zum 70. Jahrestag der Aussiedlung, ist es ihm gelungen, die Reise der Bürgermeister von der Mikroregion Javornicko nach Deutschland zu organisieren, wo sie von dem Bürgermeister von Wörth an der Donau und auch im Rathaus in Regensburg sehr freundlich emfangen wurden. Damit begann er eine neue Etape der Kommunikation in der tschechisch-deutschen Beziehungen in der Jauerniger Region.

„Mit meiner Einstellung habe ich nie Probleme gehabt, de ich wusste, dass wir weg mussten und dass der Hitler daran schuld war. Die älteren Menschen wurden von Hitler erzogen und mussten das machen, was Hitlerwollte, sie vertraten natürlich ein ganz anderemeinung als ich.“ Das will er immer betonen, mit der Hitlergeschichte, obwohl die alte Generation was anderes sagt.

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